Kulinarisches Kino mit Katie

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Es heißt, der Weinkonsum in Württemberg liege pro Kopf ungefähr doppelt so hoch als im restlichen Deutschland. Es heißt auch, dass vier von fünf Flaschen die Schwaben selbst trinken. So passe ich als Schwäbin doch wunderbar zum Kulinarischen Kino der Berlinale, oder? Gleich doppelt gut, wenn es im Film um Wein geht. So geschehen bei der Weltpremiere von “André – the voice of Wine” auf der Berlinale. Ich moderierte die Abendshow beim Kulinarischen Kino – inklusive  Wiedersehen aus meiner Jugend.

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Passion Food – Culinary Cinema Berlinale 2017

“Leidenschaft” war das Thema des diesjährigen Kulinarischen Kinos. Diese wurde nicht nur im Film aufgegriffen – der russische Winzer André verhalf mit seiner nicht enden wollenden Energie die Weinwissenschaft, den Weinanbau und die Kunst des Weinmachens in Kalifornien auf Exzellenzniveau- sondern war nach der Weltpremiere im Kino auch für alle schmackhaft. Sternekoch Sebastian Frank aus dem Berliner Horváth kreierte auf Inspiration des Films ein Vier-Gänge-Menü. Zudem war die Leidenschaft des Regisseurs Mark Tchelistcheff, dem Großneffen des Filmprotagonisten, für Film und Dreh den ganzen Abend über spürbar.

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Mark Tchelistcheff und Katie Gallus plaudern bei der Abendshow des Kulinarischen Kinos auf der Berlinale 2017.
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Glücklich nach der Show – Moderatorin Katie Gallus, Kurator Tommy Struck und Regisseur Mark Tchelistcheff.

André – the voice of Wine ist ein Dokumentarfilm, der mich tief berührt hat. Ein Charakter, der ein Ohr für die Natur hat:

Wein ist, was der Winzer draus macht.

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Mark Tchelistcheff mit Gästen und der Moderatorin Katie Gallus.
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Im Martin Gropius Mirror Restaurant fand die Dinnershow statt – hier ein Blick vor dem Ansturm.

Im Film spricht auch Steven Spurrier, ein britischer Weinexperte und ehemaliger Weinhändler in Frankreich. Er organisierte die berühmte Weinverkostung 1976. Bei einer blinden Verkostung wurden französische und kalifornische Weine ins Rennen um den besten Tropfen geschickt. Bekannte Weinjournalisten, Weinkenner und Winzer saßen in der Jury und sorgten für eine Überraschung: Sie bewerteten den Wein aus der “Neuen Welt”, aus dem Napa Valley besser als den Wein aus der “Alten Welt”, aus Frankreich. Damals sorgte dieses Tasting für Furore und bedetuete zugleich auch den Siegeszug der Winzer aus Kalifornien. Endlich konnten sie sich von den Voruteilen befreien. Endlich waren sie einen Schritt weiter, von der “alten” Weinwelt akzeptiert zu werden. Auf dieses Ereignis gingen wir im Interview bei der Berlinale noch vertieft ein. Bis heute bin ich beeindruckt, wie dieses Tasting doch so vieles für die kalifornischen Winzer veränderte.

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Kulinarisches Kino auf der Berlinale 2017 – nach der Weltpremiere des Dokuemntarfilms “André – the voice of wine” folgte die Dinnershow im Mirror Restaurant.

Aus dem Kinosessel gefallen

“André- the voice of wine” berührte mich aber noch auf eine andere besondere Weise. Als ich im Presse-screening (das ist immer etwa zwei Wochen vor Berlinale-Beginn) André zum ersten Mal im Kino sah, katapultierte es mich fast aus dem Kinosessel. Das lag nicht an den Sitzen, das lag an einem Protagonisten des Films. Im Film werden auch verschiedene Mentees von André Tchelistchef zu seinem Wirken interviewt. Dabei war auch eine Schlüsselperson aus meinem Leben. Eine Person, die in meiner Jugend zu einer Art Opi wurde: Seppi Landmann.

Wenn die Welt mal wieder zum Dorf wird…

Bei Seppi verbrachte ich mehrere Weinlesen, bei Seppi lernte ich so viel über Wein, bei Seppi entdeckte ich die Liebe zur französischen Sprache und dem “savoir vivre”. Nach dem Screening sprach ich ziemliche aufgelöst mit dem Kurator des Kulinarischen Kinos über den Film. Ein Volltreffer mich für dieses Kulinarische Kino zu engagieren. Manchmal ist die Welt eben doch ein Dorf. Ich habe nie verstanden, was Seppi immer gebetsmühlenartig zu mir sagte: Er sei erst Künstler, dann Winzer. Künstler bringen Menschen zusammen.

Ich habe Seppi nach all den Jahren endlich verstanden. Er hat Recht. Künstler bringen Menschen zusammen – vor allem wenn sie zudem noch Winzer sind.

Wer guten Wein aus dem Elsass möchte, hier ist die gute Seele, von der ich alles über Wein lernen durfte und gelernt habe; “Je mehr Schweiß über die Reben tropft, desto besser wird der Wein”. Dieser Satz kommt von Seppi. Lieber Seppi, Danke für alles!

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Seppi Landmann – Winzer aus dem Elsass.

Während der Show gab es fantastischen Pinot Noir vom Winzer Rick Sayre der Rodney Stron Wine Estates. Davon gab es nur 100 Flaschen an diesem Abend. Ein wahres Geschenk diesen Abend mit solch einem guten Tropfen zu begleiten. Ich muss nicht sagen, dass keine einzige Flasche übrig geblieben ist, oder? 🙂

Artikel zum Film findet ihr hier und hier.

Die Berlinale ist jetzt um – 10 Tage Ausnahmezustand voller schöner Begegnungen, Interviews, Erfahrungen und Filmhighlights.

Ich freue mich auf die Berlinale 2018. Termin steht bereits im Kalender: 15.-25. Februar 2018.

Auf bald,

eure Katie.

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“Wir hatten Spaß!” – Danke, Berlinale 2017!