Über das Reisen… Da sein

Katie findet auf Märkten immer schnell neue Freunde. Hier in Georgien war es der nette Obsthändler.
Katie findet auf Märkten immer schnell neue Freunde. Hier in Georgien war es der nette Obsthändler.

 

Wenn man merkt, dass man den Menschen vor Ort nicht genug zuhören kann, man liebend gerne abends noch einen kleinen Spaziergang um den Block macht, weil die Grillen zirpen, der Sternenhimmel mal wieder so klar ist und es Sternschnuppen regnet. Dann muss ich nirgends hin. Und auch von nichts weg. Dann bin ich wirklich da. Gedanken über das Reisen – und das DA SEIN.

 

Über das Reisen … Da sein.

DA SEIN
Ja, wir reisen , um irgendwo hinzukommen. Um etwas zu sehen, erleben und zu erzählen. Sonnenaufgang über den Alpen, Sonnenuntergang am Ayers Rock, mal gucken wie und wo der neue Papst wohnt, in den New Yorker Häuserschluchten gen Himmel blinzeln, am südlichesten Punkt der USA stehen, Füße im Pazifik, Atlantik, Mittelmeer, Indischem Ozean und in der Nordsee. Und Ostsee. Und in der Elbe. Am Liebsten in der Spree.

Also Da sein & einfach bleiben?

 

WEG SEIN
Ja, wir reisen vielleicht auch, um wegzukommen. Verbringen einen offline-Urlaub im Kloster oder in einem einsamen Bergdorf in den Karpaten in Rumänien. Wasser wird aus dem Brunnen geholt.
Bei meinen einprägsamsten Reisen war es völlig egal, wohin ich gefahren bin und was ich dort wollte. Zum Beispiel war ich für ein knappes Jahr in Australien. Und wie habe ich davor Reiseführer durchforstet – wollte die große Runde einmal an der Küste entlang fahren… “Denn wenn nicht jetzt, wann dann?”, dachte ich mir. Ich flog und fuhr über den Kontinent, in den Europa größenmäßig eineinhalbmal passt. Nachtfahrten in Greyhoundbussen – Backpacker “Special” Angebote lieber zweimal checken – mit Autovermietern um den Preis und um unbegrenzte Kilometeranzahl verhandeln. Und jeder meinte anfangs: “Du fliegst nach Australien – dann musst du ans Great Barrier Reef und dort tauchen.” Anfangs dachte ich das auch.

Letzten Endes war ich nie dort. Bis heute. Denn ich bin erst im Süden Australiens, später auf Bali hängen geblieben. Einfach so. Ich lag manchmal auch einen Tag einfach in der Hängematte und habe ein ganzes Buch verschlungen. Oder bin früh morgens zum Sonnenaufgang auf einen Vulkan geklettert. Surfen. Arbeiten. Kochen. Fotografieren. Menschen kennenlernen.

Georgien 2017: Ich liebe Märkte. Für mich bedeuten sie Weltkino. Und als Mädle vom Bauernhof kaufe ich gerne frisch und lokal ein!
Georgien 2017: Ich liebe Märkte. Für mich bedeuten sie Weltkino. Und als Mädle vom Bauernhof kaufe ich gerne frisch und lokal ein!

“Sollen wir heute Mittag zum Markt oder gleich an den Strand?” – und man weiß genau, es ist eigentlich egal.

Wenn ich zur Abwechslung von selbst früh aufstehe, weil ich mich hier schon morgens zum Joggen aufrappen kann und es nicht hasse, wenn der Wecker klingelt oder ich nicht mehr weiterschlafen kann.

Da-sein spüren
Wenn man merkt, dass man liebend gerne abends noch einen kleinen Spaziergang um den Block macht, weil die Grillen zirpen, der Sternenhimmel mal wieder so klar ist und es Sternschnuppen regnet. Dann muss ich nirgends hin. Und auch von nichts weg. Dann bin ich wirklich da.

Reisen, um sich zu erholen, ist verständlich. Reisen, um sich zu bilden, ist auch verständlich. Das Wichtigste beim Reisen ist meiner Meinung nach aber: frei zu sein.
Frei von zu Hause – Frei von Selbstoptimierungszwängen – Frei von Sightseeing-Check-Listen-Abhaken – Frei von “Müssen”. Müssen muss ich nämlich nicht. Schon zweimal nicht im Urlaub. Und schon dreimal nicht, um das zu machen, was andere meinen, was ich machen “muss”.

Sich nicht vom “Müssen” Anderer jagen lassen…

 

 

Frei zu sein – das ist für mich ein wichtiger Grund um zu reisen:
Frei zu sein – auch frei von der Sehnsucht nach Freiheit.

P.S.: Bis heute bereue ich nicht, nicht am Great Barrier Reef gewesen zu sein. Es gibt viele andere schöne und atemberaubende Riffe in Australien. Und für mich war jedes einzelne (Korallen-) Riff auf eigene Art und Weise wunderschön. Das zählt.