Über das Reisen… losfahren

Reisen - vom Losfahren
Kein Wunder, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass meine sterbliche Seele länger für die Ankunft braucht, als mein Körper. Vielleicht schwirren unsere Seelen wie ein Schwarm Passagierseelen hinter den Flugzeugen hinterher. Die Seelen bleiben länger zurück und werden am Ankunftsort wohl so sehnlichst erwartet, wie das verlorengegangene Gepäck mit der Lieblingsjeans. Gedanken beim Losfahren…

Reisen ist wie die Mode

Ich denke viel nach, was “Verreisen” bedeutet.
Im Alltag reden wir oft über unser Urlaubsziel – “Ich fahre nach Ibiza”, “Ich komme aus Nepal”, “Ich tracke durch Australien”. Aber welche Stationen gibt es? Denn irgendwo fängt das Verreisen ja auch an. Es beginnt nicht erst am Strand in Kapstadt, wie ich meine. Nein, eigentlich beginnt alles beim Packen. Oder beim Planen? Beim Buchen? Oder im Buchladen, wenn man sich für den einen oder den anderen Reiseführer entscheidet?
Manchmal erlebt man die beste Zeit nicht am Strand, sondern bei der Anreise. Manche fühlen sich erst bei der Abreise “richtig” erholt.
Und sind wir auch noch nach dem Urlaub dem “Erholseim” verfangen, wenn wir im Hamburger Nieselregen oder im Berliner November Blues stehen? Bestenfalls hat uns unser Urlaub entspannt. Vielleicht auch verändert – uns eine unbekannte Seite unserer Persönlichkeit gezeigt. Fast wie mit Mode. In einem Kleid verhalte ich mich ja auch anders als in einer Jogginghose

LOSFAHREN
Englich geht es nach… !

Ich mag Urlaub. Den Weg dorthin manchmal mehr, manchmal weniger. Zu warm, zu kalt, zu spät, zu früh, Snooze, zu übermüdet, zu schnell, zu langsam – ICE, Flughafen, Auto – Verspätung, Ausfall, Stau. Der Kaffee oder Tomatensaft ist alle. Der Rucksack schon zu Beginn viel zu schwer. Es regnet. Manchmal meckern wir schon zu Beginn, was das Zeug hält. Und übersehen dabei ganz den Zauber der Anreise.

Schnell, schnell, schnell

Ich will damit nicht leugnen, dass die Anreise nicht anstrengend ist. Natürlich kann sie das sein. Teilweise reisen wir ja Tausende von Kilometer und finden uns an anderen Enden der Welt wieder. Wir hüpfen zwischen Zeitebenen. Von “Habe ich den Herd zu Hause auch wirklich ausgeschaltet?” bis “Mensch, das ist hier aber eine hohe Luftfeuchtigkeit in Singapur” oder “Wo ist denn jetzt schon wieder mein Reisepass in der Tasche?”, “Soll ich jetzt noch was vom Duty-Free-Shop mitnehmen?” bis ” Mensch, kann der Opa nicht schon beim Warten vor der Kontrolle seinen Gürtel rausfummeln?”.

Kein Wunder, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass meine sterbliche Seele länger für die Ankunft braucht, als mein Körper. Vielleicht schwirren unsere Seelen wie ein Schwarm Passagierseelen hinter den Flugzeugen hinterher. Die Seelen bleiben länger zurück und werden am Ankunftsort wohl so sehnlichst erwartet, wie das verlorengegangene Gepäck mit dem speziellen Leave-in-Produkt für die Haare, das auf Grund der Flüssigkeitsregel nicht mit ins Handgepäck konnte. Oder mit der Lieblingsjeans.

Zwischen früh aufstehen und lange schlafen

Also befinden wir uns in der ersten Zeit des Urlaubs irgendwo zwischen früh aufstehen (Alltag) und lange schlafen (Urlaubswunsch). Unsere Routinen werden aufgeweicht. Und vielleicht ist es genau das, was unsere Sinne dann im Urlaub schärft. Meine Gewohnheiten werden softer – und ich noch neugieriger, als ich es wohl eh schon bin. Nicht selten habe ich schon bei der Anreise einzigartige Menschen im Flieger, in der Bahn oder beim Trampen im Auto kennengelernt. Solche Begegnungen entspannen. Und meine Seele fliegt weiter zu mir. Manchmal schnell, manchmal langsam.

Safe travels.

Nach Losfahren kommt “DA SEIN”. to be continued.

P.S.: Mein Bruderherz schoss dieses “reizende” Foto, wie ich völlig übermüdet auf den nächsten Flieger wartete. #flughafenromantik